mélancolie

Friday, June 15, 2012

Es war so großartig.

Die Farben sind intensiv.
Die Tiefe ist verloren.
Immer wischt du mir die Tränen weg. Das kann nicht leicht sein für dich, dann weine ich noch mehr.
Letzte Nacht habe ich dir von dem Herren in der U-Bahn erzählt.
Du verstehst das nicht.
Wir laufen nachts in Kreisen und lachen - das ist dein Leben.
Du sagst mir immer, dass Freiheit totale Gefangenschaft ist, da Begriffe immer nur raumeinnehmend sind. Vier Wände, keine Tür.
Du bist ich bist Sprache - meine.
Hier habe ich so etwas - vier Wände, aber auch eine Tür, sogar ein Fenster. Komisch, dennoch ist das alles anders und so FREI - du verstehst diese Lüge, nicht wahr?
Wir sind um Ecken gebogen, haben nichts gehalten und wollten schauen, wie lange wir ohne Flüssigkeit auskommen.
Manchmal ist Flüssigkeit mein Lieblingswort, habe ich dir gesagt, das weiß ich noch genau.
Deines kenne ich nicht.
Dann, fast ohnmächtig vor Durst, haben wir Steine auf jeden geworfen, denn wir mochten niemanden als uns (selbst).
Das hat sich bis heute nicht geändert, jedenfalls bei mir nicht.
Wahrscheinlich mache ich alles falsch und du alles richtig. Aber das wirst du verneinen, denn das sind Kategorien, also das, was alle anderen Freiheit nennen.
Dann haben sie dich gefragt, ob du gerne ein Adler währst, und du sagtest, dass du schon längst das was sie Adler nannten warst, nur würde es sich nicht so anfühlen, wie sie es sich vorstellten.
Dann begann ich mit all den Taschendiebstählen. In dieser Zeit trug ich immer weite schwarze Sachen, Kapuzen, das war wichtig, um die Anonymität zu wahren, meinen Schnitt nicht zu sehen. Ich lernte mir, wie ein Mann zu laufen. Die Kleidung gefiel mir nicht, aber in der U-Bahn fühlte ich mich zunehmend wohl, es war großartig, so als hätte ich keine Vagina mehr.
Das war der Adler, mindestens, ich sag es dir.
Und trotzdem haben wir uns kennengelernt, es lag dir nichts daran, ob ich dies oder das war.
Niemals hast du deine Hände auf meine Knie gelegt, nicht einmal zum Abschied, oder der Begrüßung, wolltest du mich berühren.
Ich habe alles verloren, es hat sich so herrlich angefühlt, du hast dich so herrlich angefühlt, da wir niemals fühlten.
Verstehen, das hat der Mensch sich beigebracht, das ergibt keinen Sinn, nicht den wahren.
Nun kann alles enden, es war so großartig.

3 comments:

  1. ich mag deinen schreibstil so gern. so schön abstrakt, melancholisch und man verliert immer ein bisschen den boden unter den füßen, wenn man deine texte liest!

    XXX

    http://herzbluttun.blogspot.de/

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  2. In einigen Texten, so wie in diesem, kommt es mir so vor, als würdest du Beziehungen abschließen(-d zusammenfassen), kann das sein?

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    1. Nein, in keiner Weise. Weder geht es um mich noch hätte ich irgendetwas abzuschließen. Aber in dem Text geht es natürlich um eine zwischenmenschliche Beziehung und einen Abschluss, das stimmt.

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© raphaela anouk
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