mélancolie

Tuesday, August 2, 2011

frauen n°1



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montag, fünfundzwanzigster juli zweitausendelf

impulsschreiben - frauen
(nichtwiedergelesenegedanken)

auf der straße habe ich heute eine junge frau gesehen, vielleicht vier-, fünfundzwanzig - das weiß man ja nie so genau. sie trug schwarze pumps, schwarze blickdichte strumpfhosen, einen schwarzen figurbetonten trenchcoat, rote lippen zu blasser haut und langem, wunderschönen dunkelbraunen haar.
ich habe sie gerne angesehen - ich habe sie lange angesehen.
sie sah aus wie pure weiblichkeit für mich aussieht - nicht die mütterliche, erdige, nicht madonna sondern feminin.

knielange röcke, die betonung der taille - sanduhr. kommen mit der mode der fünfziger und frühen sechziger jahre auch wieder die alten werte zurück? feministinnen beklagen sich über die eingeschränkte beweglichkeit der frauen die durch am rücken zu knöpfender kleider und blusen so hilflos sind, dass sie hilfe beim ankleiden benötigen. die in ihren taillierten, hautengen röcken im sitzen schlecht atmen können, deren beine nicht viel raum zur bewegung haben. machen sich frauen damit zum schmuckstück? und wieso ist es so wichtig sich eindeutig als weiblich oder männlich zu identifizieren? wieso schafft die gesellschaft, die kultur, wieso schaffen wir so klare grenzen? wieso darf es nicht fließend sein und wieso haben wir ein problem mit allem dazwischen?
ich weiß nicht in wiefern ich mir meine weiblichkeit ausgesucht habe. ich weiß nur, dass mir feminine frauen, die ihre weiblichkeit als das natürlichste auf der welt ausleben sympathisch sind. frauen die offen sind, die stark und zerbrechlich sind. die nicht immer kämpfen wollen aber können, wenn es denn sein muss. die nicht weglaufen sondern ihren standpunkt vertreten.
aber können sie das in high heels und bleistiftröcken? können das die blassen, rotlippigen wesen mit dem perfekt in wellen gelegten haar? ist das alles ein wiederspruch oder ist es das natürlichste auf der welt?
wo liegt der unterschied zu engen tops und hüftig sitzenden röhrenjeans?
ist es nicht einfach eine frage der klasse? des chics?
was ist falsch daran seine weiblichkeit auszuleben? ist die kraft des femininen so stark, dass sie von der umwelt, auf grund ihrer scheinbaren bedrohlichkeit, immer gleich als sexuell wahrgenommen wird?
werden denn betont maskuline männer in maßgeschneiderten anzügen als sexuelles objekt wahrgenommen? nein, man sieht sie als stark, dominant, als mächtig und wichtig in der gesellschaft.
was kann die ebenbürtige frau also tun um nicht als ewige metress ihrer gegengeschlechtlichen (geschäfts)partner gesehen zu werden?
muss man seinen köprer in boyfriend jeans, anzughosen und lockeren hemden verhüllen um nicht sexuell sondern intellektuell wahrgenommen zu werden? kann man doch nur seine weibliche macht nutzen? muss man sich darauf einlassen um überhaupt etwas zu erreichen oder darf man nicht einfach nur sein, jeder wie er will - auch in hüftigen röhrenjeans und engen jersey tops, wenn es man selbst ist - was ja ein paradoxon ist, bedenkt man, das es sich nur um uniformierung handelt.
können wir uns entuniformieren oder ist auch die individualität nur eine uniform (der masse der randgruppierung(en)?

(jeden tag aufs neue entschieden dürfen, auf was man heute lust hat)

20 comments:

  1. Wieder so gut geschrieben. Aus der Seele gesprochen,auch wenn dieser Satz klischeehaft ist.
    Du regst mich immer zum nachdenken und philosophieren an oder greifst Gedanken auf,die in meinem Kopf in einer Sackgasse geendet sind. Ich würde pure Weiblichkeit wie du siehst,ich sehe sie auch so, als etwas sehr natürliches beschreiben. Klar ist man auch in Röhrenjeans weiblich nur denke ich gibt uns unsere heutige Zeit die Freiheit zu entscheiden ob wir eine Frau in Boyfriendjeans oder Taillenrock sein wollen. So wie nicht jeder Mann im Anzug rumläuft sondern auch wenn er möchte die Baggyjeans wählen kann. In den 50er Jahren (so schön romantisiert sie auch in meinem Kopf sind) musste Frau "Frau" sein. Sie Musste sich dem Diktat der Zeit unterwerfen und hatte gar nicht die Möglichkeit zwischen Jeans und Petticoat zu wählen. Dennoch hoffe ich das es irgendwann so sein wird ,das auch eine Frau ,die den Innbegriff von Weiblichkeitdarstellt, genauso ernst genommen wird, wie eine Frau in androgyner Kluft. Ich sehe immer mehr wie Weiblichkeit geradezu verpönt ist unter vielen jungen Frauen. Vom Magerwahn und Schönheitsbild mal angesehen. Ist Weiblichkeit schlecht? Muss man einen Körper wie ein Kind oder ein Junge haben um ernst genommen zu werden? Wo ist die Weiblichkeit der 50er Jahre hin? Ich glaube ,das auch die Individualität in vielen Fällen zur Uniform wird. Genauso wie du es beschrieben hast.

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  2. jeden tag aufs neue entscheiden dürfen, auf was man heute lust hat.

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  3. ja das ist die Freiheit unserer Zeit.

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  4. Den Text mag ich sehr und ich denke, dass viele Frauen ähnliche Gedanken haben wie du. Ich finde es schade, dass sexuelle Attraktivität und eben Intellekt oder was auch immer sich so auszuschließen scheinen, wobei es in deinem Text ja gar nicht mal direkt darum geht.

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  5. der künstler gibt dem objekt den namen kunst.
    -der betrachter ist schuldig.
    nicht die arme frau.
    aber ja, warum ist das so.
    wahrscheinlich ruft es, ja meistens bei den männern, etwas hervor was sie zügeln müssen. und das stört sie, das können sie nur schwer ertragen.
    also ablehnung!

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  6. ich glaube dieser post gehört in meine top 10 der absolut besten posts dieses jahres

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  7. was haltest du eigentlich von barbour-jacken?

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  8. die barbour-frage war durchaus ernst gemeint. ist mir schon vor längerer zeit in den sinn gekommen. würde stilistisch passen und mit sicherheit wunderbar an dir aussehen.
    und was die weiblichkeit anbelangt: ein ganz wesentlicher punkt ist immmer noch das benehmen. wird in unserer heutigen zeit nur allzugern vergessen. aber über dieses definiert bzw. manifestiert sich unterm strich weit mehr, als über die bekleidungsebene.

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  9. die barbour-frage fand ich unterhaltsam.

    "auf der straße habe ich heute eine junge frau gesehen, vielleicht vier-, fünfundzwanzig - das weiß man ja nie so genau. sie trug schwarze pumps, schwarze blickdichte strumpfhosen, einen schwarzen figurbetonten trenchcoat, rote lippen zu blasser haut und langem, wunderschönen dunkelbraunen haar.
    ich habe sie gerne angesehen - ich habe sie lange angesehen.
    sie sah aus wie pure weiblichkeit für mich aussieht - nicht die mütterliche, erdige, nicht madonna sondern feminin."

    ich kann nicht mehr als den moment beschreiben, das was ich sah. die beschreibung des aussehens lässt doch raum für die vorstellung der bewegungen.

    mir geht es aber in keiner weise um benehmen. warum auch. mir geht es um die wahrnehmung der frau. wie man auf grund seines geschlechts (das ja biologisch gegeben ist und nichts mit benehmen zutun hat) behandelt wird.
    ich rede hier vom sex nicht gender.

    trägt man einen bleistift rock bewegt man sich anders als in anzughosen. trägt man pumps bewegt man sich anders als in oxfords.

    aber was willst du sagen mit "es geht ums benehmen."?

    mir geht es darum, wie man aufgrund seines biologischen geschlechts behandelt wird.

    nicht mehr - nicht weniger.

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  10. hab mich da wohl missverständlich ausgedrückt: das mit der barbour-jacke hat mit dem zweiten teil nichts zu tun. mich interessiert einfach was du davon hältst. deine persönliche und auch stilistisch-fachliche meinung zu diesem kleidungsstück.

    und jetzt zu punkt 2: benehmen/auftreten.
    du wirst ja auf vielen verschiedenen ebenen als sexuell wahrgenommen. deine art dich zu kleiden ist nur eine davon. nimm eine gruppe von frauen, die alle das selbe tragen. die, in diesem fall sexuelle rezeption wird trotzdem unterschiedlich ausfallen. (gilt natürlich auch für männer)
    so war es gemeint.
    liebe grüße aus graz
    c.

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  11. dass die barbour-frage nichts mit dem zweiten teil deines kommentars zu tun hatte war mir schon klar.

    ich mag funktionelle kleidung mit stil, davon gibt es viel zu wenig.

    "nimm eine gruppe von frauen, die alle das selbe tragen. die, in diesem fall sexuelle rezeption wird trotzdem unterschiedlich ausfallen."
    - da stimme ich dir voll und ganz zu.
    aber das ist ja nicht worum es (mir) in meinem text geht.
    das ist eine interessante thematik, bloß eine ganz andere.

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  12. du sagtest, du verstehest niemanden. was verstehst bei meinem kommentar nicht?

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  13. yavanna, metaphorik.
    "ich verstehe dich."

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  14. das war die besagte ZEIT ...
    Ich war so so so so wütend nachdem ich den gelesen habe, aber das ist schon eine weile her und jetzt bin ich weiter gekommen bei dem gedanken.

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  15. was hat dich so wütend gemacht? und wo bist du jetzt?

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  16. da hat jemand die letzte neon gelesen ;)

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  17. Ich weiß nicht mehr genau, es ging vorallem darum warum die frau so schlecht dastehen muss. Warum es nicht egal sein kann, und dass es nie egal sein wird. Dass Männer immer männer bleiben werden und frauen frauen. Ich habe Angst und bin wütend und das spizt sich alles in eine unglaubliche ohnmacht, man kann ja irgendwie nichts machen außer das ignorieren und versuchen mit Verstand und Charme ernstgenommen zu werden.
    PUH

    falls das an mich gerichtet war, ich lese die neon nicht.

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