mélancolie

Tuesday, May 17, 2011

veränderung - stand elf.



(neunundvierzig seiten bis jetzt)
veränderung
eine latente, nicht bewusst wahrgenommene macht. es ist sieben uhr dreißig, ich gähne sitzend im bett.
zeitgleich; die katze tritt meine zugedeckten beine und mir rinnt eine träne über die linke wange. 
es ist optimal, es ist sieben uhr einunddreißig und es ist einer der wenigen tage an denen man gut gelaunt aufwacht. insgeheim glaube ich ja, dass es etwas mit dem frühling und der damit verbundenen lichtflut zutun hat, unabhängig davon ob einem die außentemperatur zusagt, die sonne scheint und das mag man, so ist das eben, da kann man auch nichts ändern. will man das überhaupt?
aus dem bett habe ich nach wie vor die siebziger-jahre-postkarten-ästhetik, es riecht nacht absolut nichts und ist sieben uhr dreiunddreißig.

bis sieben uhr achtunddreißig scheine ich ausschließlich in die luft gestarrt zu haben, mein magen beginnt zu knurren und meine zerkauten daumen zu bluten - ein morgen, an dem man gut gelaunt aufwacht.
um sieben uhr neununddreißig hört die katze abrupt zu treten auf, schaut kurz um sich - um zu drehen, um sich folglich an das linke ende des bettes zu setzen - zu legen.
danse, danse, danse.
jetzt schwanke ich auf der planke, es geht um alles. französisch oder rockabilly.
das holz ist schmaler als gewöhnlich, dreißig zentimeter breit, vielleicht, und wie lange? sechs meter, gut möglich.
ich bin barfuß und halte meine espandrillos in der rechten hand am ausgestreckten arm. es ist wie aus dem bilderbuch mit piratenschiff, doofe situation, keine blutigen daumen mehr, aber ein knurrender magen, bin ich da die richtige?
ich habe pulver an den fingern, drehe mich, um in blickrichtung des schiffes und nicht des offenen meeres zu stehen.
das pulver ist rot krustig vermischt - an den daumen.
der kapitän grinst hämisch - oder...
„oder...“, beginnt er.
„...oder wir, wir einigen uns anders... es gibt bestimmt eine ebene auf der wir alle leben können.“
immer dachte ich, ich wäre femininer stereotyp in solchen fällen, natürlich, was ist sex im vergleich zu tod? aber was ist stolz in relation? 
ich bin stolz, ohne es gewusst zu haben, ich springe über die planke.
da tickt eine uhr und ich sinke - es fühlt sich wunderbar an.

...

es ist als käme alles wieder hoch - alles das jemals in mir war. das leben wiegt zu schwer, jede entscheidungen und selbst die existenz. freiheit ist eine lüge, denn jede freie entscheidung geht mit einschränkungen, gewissen pflichten oder gefahren einher, das ist nicht frei.

ist das nichts schmutziges?

du bist für mich da- ja?
also wäscht du die dreckige wäsche, bürstest meine katze und fährst mir sanft über den rücken.
du streichst die haare aus meinem gesicht, hältst meinen kopf der schwerer trauer in deinem schoß ruht.
du willst gar nichts anderes - denn du hast mich, ist was du willst.

ist das nichts schmutziges?

du bist das größte fragezeichen - ist ich.

ich bin stolz, ich sinke, alles kommt wieder hoch, weil banalität so schwer wiegt - es fühlt sich wunderbar an.

13 comments:

  1. genau so beginnen meine tage

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  2. ich mag die bisse sehr <3
    und mikroaufnamen generell

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  3. das leben wiegt zu schwer.
    freiheit ist eine lüge.

    zu wahr...

    guter Text. und auch das Foto.

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  4. wie ist das so für dich, soviele blogs tauchen auf, die deinem nacheifern, nahekommen wollen?

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  5. anonymous,
    aus welchem grund auch immer, ist das schon sehr oft passiert, auch schon vor längerem, nur scheint es immer offensichtlicher zu werden.
    es gibt die leute, die sagen würden: oh, da muss man sich ja geschmeichelt fühle.
    und es gibt die leute die genau das gegenteil meinen.
    ich finde es einfach ein bisschen schade wenn soetwas passiert, denn frage ich mich was die intention dahinter ist, was der antrieb, was die quelle und nach dem warum.

    "so viele blogs" - welche meinst du denn?

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  6. Ich habe eine Mappe zusammengestellt, weil ich mich für ein Bühnenbild-Studium beworben habe. Leider haben sie mich nicht genommen. Ich probier's aber weiter...

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  7. ich merke mir ihre titel nicht, ich sehe nur die bilder und denke an deinen blog, lese die texte, die wirken, als seien es zusammenschnitte aus verschieden von dir, nur mit schlechterer grammatik. ich finde zwar bist du nicht die "erste" die das so macht, aber dennoch hast du einen unverkennbaren stil. deine tiefe ist eine andere. und diese "andere tiefe" lese ich auch woanders heraus, statt dass sie sich ihre eigene tiefe suchen.
    aber wie kann ich dass schon beurteilen? viele mädchen ziehen sich an wie alexa chung, bis sie ihren eigenen stil finden. vielleicht bist du die alexa chung der poetischen kunst blogs.

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  8. anonymous,

    die "erste". wie soll man so etwas beantworten. weltweit sind schon immer ähnliche dinge parallel zu einander abgelaufen ohne von der existenz des jeweils anderen zu wissen.

    wenn ein künstler erst beginnt es inspiration zu nennen, wenn es nur noch die subjektive dokumentation ist, dann sind wir wohl bei der realität angekommen.
    so sieht es doch auch, das lässt sich auch auf jegliche andere bereiche übertragen, traurige moderne du.

    "vielleicht bist du die alexa chung der poetischen kunst blogs."
    - das fand ich übrigens sehr charmant.

    tada.

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  9. unglaublicher guter text, echt beneidenswert!

    ich hab alles durchgelesen und mein herz schlug schneller.

    toll :)

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  10. wie - du schreibst wohl ein Buch? irgendwann, wenn es fertig ist, würdest du mir Bescheid sagen? ich brauche es dann sofort. auch gebunden, obwohl ich das eigentlich nicht mag. deinen Bildband hätte ich auch gerne

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  11. unabhängig davon ob einem die außentemperatur zusagt, die sonne scheint und das mag man


    da muss ich widersprechen. wenn ich weiß, dass die sonne scheinen wird sinkt meine laune sogar noch im kühlen morgengrauen tief in den keller

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