mélancolie

Thursday, March 3, 2011

stillleben - lebt





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unbedingt

ich bin ein stillleben

manchmal denkt man schon mittags, der tag ist gelaufen.
im besten fall hat man dann schon vormittags beschlossen sich wieder hinzulegen um das ganze unheil zu verschlafen.

alles was ich schmecke ist ein stechender schmerz in meinem rachen.

ich frage mich was ich spüre, wahrscheinlich spüre ich gar nichts…
es war vor sechzehnjahren, es war neunzehnfünfundneunzig, ich war fünf jahre alt.
ich hatte meine finger an den lippen, alles zog nach unten, die augenlider brannten.
ist dein zu hause wenn man dich fest an den brüsten hält? ist dein zu hause wenn du mich fest an den brüsten hältst?


mama ist oft sehr traurig, sie trinkt etwas tief rotes (ein schönes rot) aus gläsern die nicht wie die aussehen aus denen ich milch trinke, oder wasser. roter wein, rote lippen. mama mag wein.
minuschka streicht mir um die füße, mama oft um den finger, die liegt manchmal auf dem boden und weint. ich weiß dann nie was ich machen soll, davor oder danach ist mamas neuer freund oft da, dann lacht sie, sieht dabei sehr traurig aus, das sieht ihr neuer freund nicht. manchmal schläft mama ein wenn ihr neuer freund noch da ist, ich soll ihn nicht papa nennen, nicht onkel, er heißt c.
wenn mama schläft und c da ist fühle ich mich seltsam, er hat mich angeschaut, dann wieder weg. er erinnert mich an einen mann auf einem poster, das mama im wohnzimmer aufgehängt hat - ein grungeprinz mit langem haar - oder an einen förster, er könnte beides sein.
er hatte ein weißes unterhemd an und jeans, mama lag am boden, halb auf dem verklebten, alten teppich das weinglas in der hand. c am sofa, er beugte sich nach vorne und nahm eine dunkelgrüne flasche „magst du?“ hat er mich gefragt. ich stand im türrahmen, in meinem kleid, was weiß war, mit einem teddy in den armen - minuschka streifte meine zehen zuvor. ich schaute verschreckt, c sagte ich solle doch ruhig näher kommen, er deutete auf den platz neben ihm auf dem sofa… das kleid schliff am boden, es war nicht mehr ganz weiß, der teddy auch, ich schaute an mir herunter, auf meine zehen, schaute zu mama, schaute zu c und setzte mich.
ich bekam ein glas, der rote saft schmeckte eckelhaft - roter wein, rote lippen, aber ich bin doch blass rosa - c lachte als er mir aus der nase spritzte, ich prustete vor eckel, mein kleid war befleckt, c’s hände waren rau, seine haare.
er hatte mich auf den schoß genommen, der teddy war zu boden gefallen, lag nun neben mama, c stupste sie mit dem fuß an, sie gab einen seltsamen laut von sich, wachte nicht auf. „mama schläft so viel…“ sagte ich. c sagte „ja“, seine rechte hand ruhte schwer auf meiner schulter seine linke streifte zart über meine blonden haare, über meine glühenden wangen, über mein schlüssenbein…
ich wollte zu bett.
c traute sich zu viel und ich mich zu wenig.
(ich bin ein stillleben)

27 comments:

  1. wow. guter text. ich hoffe, keine eigene erfahrung...?!

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  2. darf ich ihn posten, natürlich mit dem Link zu dir?

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  3. mama mag wein nicht -
    und wir kannten niemals einen c.
    nein, das ist kein tagebuch,
    ja, du darfst.

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  4. sehr schön, ich liebe es, alles.

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  5. oh, da bin ich erleichtert.
    man kann ja nie wissen. manchmal gibt es getarnte hilfeschreie.

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  6. hilfe! hilfe! - ich finde, das wäre sehr offensichtlich.

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  7. ich trau mir gar nicht zu sagen, dass das schön ist. eher; bewegend. und so gut geschrieben.

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  8. Oh, wie gut, gefällt mir wirklich mal wieder außerordentlich gut.
    Und hahahaha, "C", da hab ich ein bisschen geschmunzelt.

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  9. hier ist es: http://rauhundzaertlich.blogspot.com/2011/03/stilleben.html

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  10. du hast mir Gänsehaut gemacht

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  11. mara, wer auch immer du bist, ich empfinde nichts so wie du es geschrieben hast und würde es auch nicht. was du schreibst tut mir schrecklich leid. ich will nichts verherrlichen und um gotteswillen, ich romantisiere es sicher nicht.
    ich wünsche dir alles gute, und hoffe, dass du dir helfen lässt...
    ich bin mir nicht sicher, ob ich deinen kommentar veröffentlichen soll - willst du das wirklich?

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  12. ich kann dich nur hier über kommentare erreichen, da ich nicht mehr als deinen scheinbaren namen weiß. ich würde mich gerne mit dir unterhalten, das geht hier nur sehr schwer. falls du irgendwann auch magst, kannst du mir mailen.
    rabenschwarz@ymail.com

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  13. schöne szene-schicker schreibstil= me gustas

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  14. 'aber ich bin doch blassrosa'
    anouk, du bist blassrosa und doch durchsichtig

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  15. schrecklich guter text, & die bilder mag ich auch

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  16. Verzeihung. Ich meinte das lange Haar und die schönen Lippen, die du auch hast

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  17. your blog is very surreal
    love it

    I follow

    http://jesuislenouveaustyle.blogspot.com/

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  18. you are the most gorgeous girl i've ever knew

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  19. das bild flasht mich und die geschichte hat mir ziemlich angst gemacht, zum glück ist es nie passiert.

    jaa, manchmal habe ich doch einen leichten hang zur übertreibung (; eins zu eins sicherlich nicht, aber doch eben sehr sehr ähnlich..
    xx

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  20. auf eine triste art und weise gefällt mir der letzte satz.

    und auf meinem letzten Foto wollte ich Nostalgie darstellen, deswegen liege ich auf dem Bauch, nach hinten blickend. Und der Stoff mit dem mein Kissen bezogen ist, ist ein Kleid meiner Oma. Ich wusste nicht recht, wie ich es sonst darstellen sollte und die Zeit drängte - Schulsachen eben.

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  21. Wow I really love the skirt, check out my blog, please? XXX

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  22. Every bride has their own color, and some dynamic, some dazzling colorful, full of love ... ... and some colors are the future of each symbol, depicting the bride's future.
    Wedding Dress
    Thanks for your sharing! I am pleased to share my joy with you?

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  23. wow der text hast du's selbst geschrieben? normalerweise schsu ich nur bilder an, aber ich konnte mit dem lesen nicht aufhören...

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© raphaela anouk
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